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Samstag, 14. November 2009

M'r sin am verzälle...

Liebes Tagebuch,
am 18.November erscheint die Neuauflage von MICHAEL BOLTENs Standardwerk ALLES ANDERE IST NUR FUSSBALL. Darin enthalten sind neben einem neuen Kapitel zum Aufstieg u.a. auch ein Interview zum Thema: Fans im Exil. Möglicherweise, liebes Tagebuch, interessiert dich das? Michael Bolten wird übrigens am 3.Dezember in der Trinkhalle in Düsseldorf aus den neuen Kapiteln (und hoffentlich auch einigen alten) lesen. -An einer Lesung in Berlin arbeitet das Organisationskomitee mit Hochdruck.
"Ein Stückchen Heimat in der Fremde" - Fans im Exil
- Gespräch mit Ursula Kohlert (rheintocher), Berlin, und Christoph Symann (anutrof), Bremerhaven

Frage: Was war euer erstes Erlebnis mit der Fortuna?

Symann: Das erste Spiel live im Stadion habe ich in der Saison 1973/74 gesehen. Ein müder Kick gegen Werder Bremen, der 1:1 endete. Damals drängelte ich meine Mutter so lange, bis sie sich endlich entschloss, mit meinem jüngeren Bruder und mir ins Rheinstadion zu gehen. Ein Bild von dem Spiel klebt noch in einem alten Fotoalbum.

Kohlert: Im Gegensatz zum Christoph kann ich das nicht genau verorten. Aber, obwohl niemand in meiner Familie aktiver oder gar begeisterter Fortuna-Fan war, waren die Spieler, die Ergebnisse und die aktuelle Tabellensituation bei uns immer Thema und gehören, seit ich denken kann, zu meinem Leben.

Wie und wann wurdet ihr letztendlich Fortuna-Fan?

Symann: Schon in der Saison darauf durfte ich die ersten Spiele alleine ohne elterlichen Schutz ins Rheinstadion. Mit ein paar Klassenkameraden traf man sich an der Bushaltestelle „Hassels Kirche“ und dann ging es mit dem 76er Bus in die Stadt. Ab der Saison 1975/76 besuchte ich dann alle Heimspiele und fuhr auch erstmals auswärts mit. Bei Heimspielen war ich meistens im 37er-Block ganz oben unter dem Dach zu finden.

Kohlert: Bewusst zu Fortuna gegangen bin ich erst so mit 14 Jahren, also ungefähr 1988. Zuerst allerdings ohne allzu große Begeisterung. Ein Schlüsselerlebnis war dann der 14.Oktober 1989. Fortuna lag gegen Bayern München 0:2 zurück, und Klaus Augenthaler hat in der sechzigsten Minute ein doofes Eigentor geschossen. Das fand ich irgendwie geil, da dachte ich plötzlich: hier geht noch was. Ich will gewinnen. Ich will, dass Fortuna gewinnt. Hat nix geholfen. 1:2 war der Endstand, aber ich war angefixt und seitdem war es mir nicht mehr egal, ob Fortuna gewinnt oder nicht.

Wie sah euer Leben als Fortuna-Fan aus, als ihr noch ihr Düsseldorf gewohnt habt?

Symann: Montags bis freitags Schule (später Ausbildung und Studium) – am Samstag dann Fortuna. Das war früher ja noch zeitlich klar gegliedert. In der Woche gab es auch außer ein paar Berichten in der Zeitung wenige Informationen über das Drumherum im Verein. Vor den Heimspielen machte ich oft einen Abstecher in die Altstadt, um dort eine Pizza auf der Hand zu essen. Damals hatte ich eine selbst gebastelte Fahne, ca. 1 x 1,5 m groß, obere Hälfte rot, unten weiß. Auf dem weißen Teil stand in großen Buchstaben „Fortuna“. Jedes Mal, wenn ich die Fahne zurück schwenkte, konnte ich „anutroF“ lesen. Damals brauchte man aber noch nicht so viele Usernicks wie heute.

Kohlert: Die Situation im Block 36 hat mich als junges Mädchen echt abgeschreckt. Damals gab es ja noch keine smarten Ultras, sondern viel rechtes Gesocks und kaum Frauen im Fanblock. Irgendwann in der Saison 91/92 war dann auch mein vorläufig letztes Spiel, das ich im Rheinstadion gesehen habe. Ich konnte es nicht mehr ertragen, dass aus dem eigenen Block Affenrufe gebrüllt wurden, wenn Anthony Baffoe am Ball war. Das war die Saison, in der Fortuna dann in die 2. Bundesliga abgestiegen ist, aber das hatte nichts damit zu tun, dass ich da nicht mehr hingegangen bin: Es war einfach ätzend damals im Fanblock.

Warum und wann habt ihr Düsseldorf verlassen?

Kohlert: 1994 zum Studium nach Leipzig. Und dann 1996 weiter nach Berlin.

Symann: Aus beruflichen Gründen im Juni 1988 und wegen des schönen Klimas!

Welche Auswirkungen hat dieser Umzug auf euer Fanverhalten gehabt?

Symann: Die regelmäßigen Stadionbesuche nahmen natürlich rapide ab. Es wurde aber dennoch jede sich bietende Gelegenheit genutzt, ein Heimspiel der Fortuna zu besuchen. Während Frau und Kinder bei den Schwiegereltern in Düsseldorf zum Kaffee waren, schaute ich Fußball. Später kamen dann sogar meine Jungs mit ins Stadion, nur meine Frau konnte ich bisher nicht davon überzeugen. Meine beiden Söhne Martin und Thomas wurden 1985 und 1988 geboren. Klar war da am Wochenende nicht nur Fußball Thema. Aber für Fortuna konnte ich sie anfangs schon begeistern. Bei uns im Flur hängt sogar noch ein Bild, auf dem die beiden im Fortunatrikot neben der damaligen Oberbürgermeisterin Marlies Smeets sowie den Spielern Rudi Istenic,

Igli Tare und Marek Lesniak zu sehen sind. Das muss zu Beginn der Saison 1998/1999 gewesen sein. Es gab sicherlich keine Saison, in der ich überhaupt kein Spiel gesehen habe. Aufgrund der räumlichen Entfernung und aus privaten bzw. familiären Gründen war rückblickend die Zeit von 1985 bis 1994 diejenige, in der ich wohl die wenigsten Spiele von Fortuna gesehen habe.

Kohlert: Als ich nach dem Abi nach Leipzig gezogen bin und Fortuna im Zentralstadion gesehen haben, fühlte sich das nicht an, wie eine normale Auswärtsfahrt, bei der man ja am Abend wieder zu Hause ist, sondern es war viel mehr. Fortuna war plötzlich ein Stückchen Heimat in der Fremde. Damals hab ich erstmals wahrgenommen, dass Fortuna ein Teil meiner rheinischen Herkunft und damit auch Teil meiner Identität ist. Fortuna war in meinem Leben noch nie das Wichtigste, aber anderseits war Fortuna immer da. Und auch wenn ich mich selber lange Zeit nicht als Fan bezeichnet hätte, wurde ich wohl immer so wahrgenommen, zumindest habe ich von Freunden und Verwandten oft Fortunatrikots etc. geschenkt bekommen

Symann: Sicherlich ist Fortuna nicht das Wichtigste in meinem Leben, aber ich kann nicht bestreiten, dass ich mein Leben rund um Fortuna gestalte. Somit erhalte ich mir nach fast 22 Jahren, die ich nun an der Wesermündung lebe, immer noch einen Teil meiner Heimat. Und wie sehr mir Fortuna am Herzen liegt, konnte man mir während und nach dem Aufstiegsspiel gegen Werder Bremen II ansehen, wo ich schwer mit den Freudentränen kämpfen musste.

Ihr seid beide inzwischen sehr aktiv in Sachen Fortuna, obwohl ihr nach wie vor weit entfernt von Düsseldorf lebt. Wodurch kam die erneute Hinwendung zum Verein Fortuna Düsseldorf zustande?

Kohlert: Beim Spiel gegen Hertha II in der Saison 2004/05, in einer Zeit des beruflichen und privaten Umbruchs, habe ich endgültig gemerkt, dass Fortuna für mich mehr ist als nur ein Fußballverein, den ich gut finde. Dort im Jahn-Sportpark, als ich wieder mal bei Fortuna war, wurde mir plötzlich klar, egal wo auch immer ich

gelebt habe, was auch immer in meinem Leben passiert ist: Fortuna war auch da. Fortuna war also nicht nur ein Stück Heimat und Teil meiner Identität, sie war vor allem auch eine Konstante. Da habe ich begriffen, dass Fortuna mir eigentlich mehr bedeutet, als ich immer dachte. Unabhängig vom einzelnen Spiel, vom Ground oder der Saison: Fortuna ist ein Lebensgefühl, das mir gut tut, weil es schon immer da war und immer da sein wird. Das zu begreifen, zu akzeptieren und aktiv zu leben hat mich wahrscheinlich erst wirklich zu einem Fan gemacht.

Symann (lachend): Der sportliche Erfolg war es sicherlich nicht, der meine Aktivität in Sachen Fortuna steigerte! Die Kinder wurden größer und konnten sich selber beschäftigen – da blieb halt wieder mehr Zeit für Fortuna. Und mit der Teilnahme von Fortuna in der Regionalliga-Nord ab Sommer 2000 kam es auch zu schönen Partien hier im Norden. Wilhelmshaven, Lüneburg oder "Platz 11" in Bremen, Lübeck, Kiel oder Emden, Osnabrück, Braunschweig und das Millerntor auf St. Pauli lassen grüßen. Auch der Besuch der Wolfgang-Meyer-Sportanlage in Hamburg ist mir noch recht gut in Erinnerung.

Ich habe den Nachmittag auf der Stahlrohrtribüne der Wolfgang-Meyer-Sportanlage in erster Linie als sehr nass in Erinnerung. Was lässt einen eher an ein bestimmtes Spiel zurückdenken: die Fahrt, die äußeren Umstände, das Ergebnis?

Symann: Wer in der 3. oder 4. Liga einem Fußballverein am Wochenende mehrere 100 km nachreist, macht das sicherlich nicht nur aus sportlichem Interesse. Oft standen die Fahrten oder das Treffen der „Leidensgenossen“ im Mittelpunkt oder waren zumindest der Höhepunkt des Wochenendes. Tolle Erinnerungen habe ich z.B. noch an eine schöne Strandparty an der Elbe im April nach einem Spiel bei den Amateuren des HSV oder an eine Wochenendfahrt mit meiner Frau nach Chemnitz, bei der ich kurz hinter Magdeburg den Anruf erhielt, dass das Spiel aufgrund von Schneefällen abgesagt wurde. Na ja, ich durfte mir dann eine Quilt- Ausstellung ansehen, anstatt auf den Fußballplatz zu gehen. Ein anderes Mal hatten wir in Chemnitz vier Doppelzimmer über ebay günstig geschossen und wollten eigentlich ein schönes Wochenende mit unseren Frauen dort verbringen. Am Ende waren wir mit 7 Jungs dort und haben schon zum Frühstück den Sekt genossen. Am Abend nach dem Spiel trafen wir dann noch Frank Mayer, der zu dem Zeitpunkt bereits in Chemnitz spielte, im Diebels-Fass-Keller. Unvergessen auch eine Grilleinlage auf einem Autobahn-Parkplatz, mit der wir einen Mitfahrer überrascht haben, der sich ständig über die Aramark-Bratwurst in der Arena aufregte! Und was man alles im Zug – sei es mit dem Wochenend-Ticket oder im ICE –erleben kann, würde jetzt hier den Rahmen wirklich sprengen. OK, manchmal lässt auch das Ergebnis an ein Spiel zurück denken. Spontan fallen mir da die beiden 0:4 und 0:5- Klatschen in Osnabrück ein, wo jeweils der gesamte Gästeblock in der zweiten Halbzeit die Mannschaft gefeiert hat.

Kohlert: Na, am besten natürlich, wenn alles zusammen kommt. In der Aufstiegssaison waren, neben dem letzten Spiel, für mich der Auftakt in Stuttgart und das Spiel in Braunschweig sehr besonders. In Stuttgart vor allem wegen der tollen Stimmung, dem Wetter und dem Ergebnis; in Braunschweig vor allem wegen des unglaublichen Fights beider Teams, der bekanntlich 5:5 ausging.

Wie viele Fortuna-Spiele besucht ihr im Schnitt pro Saison?

Kohlert: In der letzten Saison waren es acht, in der vorletzten 18.

Symann: In der vergangenen Saison habe ich 18 Spiele von Fortuna gesehen, davon sechs Heimspiele. In der Regionalliga-Nord habe ich es sogar mal geschafft, über zwei Saisons jedes Auswärtsspiel zu besuchen - und das von Bremerhaven aus. Ich hab hier nicht die Möglichkeit, mich in einen Fanbus zu setzen und bis vor den Gästeblock fahren zu lassen. Jede Fahrt muss selbst geplant und organisiert werden. Und natürlich muss das auch zeitlich und finanziell gestemmt werden.

Da für euch beinahe jedes Spiel mit einer ziemlichen Fahrerei verbunden ist: Bevorzugt ihr eher Spiele in Düsseldorf oder in anderen Städten?

Kohlert: Am liebsten würde ich natürlich jedes Spiel sehen. Aber zu Heimspielen fahre ich so gut wie gar nicht. Auswärtsfahrten sind spannender und intimer: Man kennt sich ja mittlerweile ganz gut und ich freu mich zum Beispiel immer sehr, die "NORD- CONNECTION" zu treffen. In der Arena zu Hause verläuft sich das ja doch so’n bisschen. Obwohl man natürlich schon sagen muss: 50.000 eigene Fans in unserer Villa Kunterbunt beim Aufstiegsspiel, das war Gänsehaut pur.

Symann: Mit der Arena als Spielstätte habe ich mich lange Zeit schwer getan. Diese Luxusprachtbau fehlt es an so vielen Kleinigkeiten, um ein vernünftiges Fußballstadion zu werden. Mittlerweile habe ich mich aber an den Kasten gewöhnt, auch wenn er – wie sich jaim Spiel gegen Werder Bremen II herausstellte – viel zu klein dimensioniert ist.
Auswärtsspiele haben ihren ganz besonderen Reiz. Man sieht ein anderes Stadion, die Stimmung ist meist besser und man trifft mehr bekannte Gesichter. Und wenn die Polizei es zulässt, kann man auch noch was von der Stadt sehen!

Welche Stadt durftest du dir denn aus welchen Gründen nicht ansehen?

Symann: Braunschweig, 10. Mai 2009: Ich war alleine mit dem Auto nach Braunschweig angereist, hatte den Wagen am Stadion geparkt und an der Gästekasse Tickets für unsere Hamburger Jungs besorgt. Anschließend bin ich mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof gefahren, um die Jungs abzuholen. Die kamen mit 13 Mann an, wir gingen auf den Bahnhofsvorplatz und ich verteilte die Karten. Anschließend orientierten wir uns in Richtung Straßenbahn, da wir in der Stadt noch etwas trinken wollten. Das gefiel allerdings den grünen Jungs nicht. Die schwafelten was von „gefährlichen“ Braunschweigern und „Gefahrenabwehr“ und dass das doch alles nur zu unserem eigenen Schutze sei. Das Ergebnis war, dass wir von ca. 30 Kriegern einer Hundertschaft um den Bahnhof herum geführt wurden und dort eine Stunde auf die Zugfahrer aus Düsseldorf warten mussten, um dann mit Gelenkomnibussen auf Schleichwegen direkt zum Gästeeingang des Stadions gefahren zu werden. Selbstredend durfte ich dort auch nicht mehr den Bereich verlassen, um mir aus meinem Auto etwas zu holen und mich mit jemand anderes zu treffen. Einen positivenEindruck hat der Polizeieinsatz sicherlichnicht bei mir hinterlassen.

Ursula, hast du ähnliche Erfahrungen wie Christoph gemacht?

Kohlert: Nicht in Braunschweig. Aber klar, meistens wird man von Team Green vom Stadion zum Bahnhof eskortiert und das ist öfter mal nervig, weil die Polizei nicht versteht, dass wir als Berliner Fortuna Fans nicht mit den anderen in die Züge Richtung Düsseldorf steigen wollen. Das fordert dann oft zähes Verhandlungsgeschick, aber bis jetzt hat es letztendlich immer geklappt. Und auf Stadtbesichtigungen im Osten verzichten wir nach Fortuna-Spielen auch gerne freiwillig.

Anderes Thema: Wie informiert ihr euch über die allgemeine Entwicklung bei der Fortuna und wie über den Spielverlauf, wenn ihr nicht im Stadion sein könnt?

Kohlert: Durchs Internet. Oder man lässt sich durch Leute aus dem Stadion anrufen.

Symann: Das ist ja nun im Zeitalter des Internets keine Schwierigkeit mehr. Die morgendliche Online-Lektüre der Düsseldorfer Presse gehört genauso dazu wie der Besuch diverser Foren. Wenn ich mal nicht im Stadion live dabei sein kann, läuft im Internet Antenne Düsseldorf über Web-Radio und parallel dazu bis zu 3 Live-Ticker. Sollte ich mal weder live bei Fortuna noch zuhause am Rechner sitzen, bekomme ich die Informationen per SMS von Freunden oder werde wie Ursula angerufen und aktuell informiert.

Welche Rolle spielt das Difo bei der Informationsbeschaffung und nehmt ihr an den Diskussionen teil?

Symann: Das Difo – bzw. das 95er-Forum, was nach dem Difo neu entstanden ist – gehört sicherlich zu meiner Pflichtlektüre. Aufgrund der Vielzahl an Usern und Themen/Beiträgen ist es jedoch recht schwierig geworden, das alles zu verfolgen. Es wird auch oft was geschrieben, was mich nicht interessiert, um es mal positiv auszudrücken! Andererseits geht es hier ja auch um das Forum des geilsten Clubs der Welt – kein Wunder, wenn da so viel los ist. Den Betreibern des Forums zolle ich jedenfalls meinen höchsten Respekt. Mit meinen Beiträgen im Forum halte ich mich allerdings oft norddeutsch unterkühlt zurück.

Kohlert: Ehrlich gesagt, mochte ich das Forum früher lieber, als es noch Difo hieß und eine nervige Oldschool-Baumstruktur hatte. Das war damals irgendwie bissiger. Heute gibt es kaum noch ironische Beiträge, alles ist viel braver. Deshalb lese ich nur noch die Postings von bestimmten Mitgliedern. Aber was schon bewundernswert ist, dass heute viele gute Aktionen vom Forum ausgehen: die Aktion 25.000+ zum Beispiel.

Gibt es bei euch vor Ort, also in Bremerhaven und Berlin, eine lokale Fortuna-Fanszene und wie ist die entstanden?

Kohlert: Es gibt in Berlin mehr Fortunen als man denkt. Unseren Fanclub „SpreeElite“

haben wir im Januar 2008 gegründet, wohl weil es ein Bedürfnis gab, regelmäßig Menschen zu treffen, die den vertrauten rheinischen Tonfall sprechen, die wissen was Kappes und was Mürbchen sind und die die alten und ganz alten Geschichten über Fortuna erzählen.

Symann: Vor Ort in Bremerhaven gab es mal eine kurze Zeit tatsächlich so was wie eine Fortuna-Fanszene. Als meine Söhne noch regelmäßig mit zu Fortunaspielen gekommen sind, haben sie auch in der Schule den einen oder anderen Freund überzeugen können. Wir sind sogar mal mit einem Bus von Bremerhaven aus nach Osnabrück und nach Wilhelmshaven gefahren. Mittlerweile hat sich das Interesse bei den Jungs jedoch gelegt, was allerdings nicht heißen soll, dass sie nicht doch noch mal mit zur Fortuna kommen - wenn Papa bezahlt! Naja, zwei oder drei Freunde von ihnen fiebern immer noch regelmäßig mit, wenn Fortuna spielt. Und dann gibt es in Norddeutschland ja noch die "NORD-CONNECTION". Das ist ein Zusammenschluss von Fortuna-Fans, die im Norden Deutschlands wohnen und sich zu Oberligazeiten einmal übers Internet kennen gelernt haben.

Wie ist der jeweilige Name entstanden und welche Aktivitäten entwickeln diese Fanszenen?

Kohlert: Der Name „SpreeElite“ ist in feucht-fröhlicher Runde entstanden und war ursprünglich mal ironisch gemeint. Es gibt einen monatlichen Stammtisch und natürlich vor allem die gemeinsamen Auswärtsfahrten.

Symann: Bei einem Einzugsgebiet von Ostfriesland bis zur Ostseeküste und von der dänischen Landesgrenze bis ins Münsterland musste der Name ja was mit Norden zu tun haben. Viel wichtiger und aussagekräftiger als der Name selber ist eigentlich unser Zusatz: Das Beste aus dem Norden! Unsere Aktivitäten beschränken sich fast ausschließlich auf den gemeinsamen Besuch von Spielen unserer Fortuna. Nebenbei treffen sich einige von uns auch gelegentlich bei anderen Fußballspielen, meistens im Hamburger Raum. Unser favorisierter Club im Hamburger Amateurfußball ist Hamm United FC, der mittlerweile in der Landesliga kickt. Daneben betreiben wir eine eigene Homepage, die ich versuche, immer auf dem aktuellen Stand zu halten.

Die U15 der Fortuna lief in der Rückrunde der Saison 2008/09 in Trikots mit dem Logo der "NORD-CONNECTION" auf. Wie kam es zu dieser Aktion, wie waren die Reaktionen hierauf und sind weitere Aktivitäten geplant?

Symann: Ausgangspunkt war ein Frühschoppen im "Füchschen" vor dem Meisterschaftsspiel gegen Jahn Regensburg im September 2008. Wir schimpften mal wieder über die ausbleibenden Sponsoren und wollten als Fanclub selbst ein Zeichen setzen. Und da das Geld langfristig eingesetzt werden sollte, entschlossen wir uns für die Unterstützung einer Jugendmannschaft. Alles weitere lief in Gesprächen mit Fortuna Düsseldorf ab und wurde schnell konkret. Die U15 benötigte dringend einen neuen Satz Trikots und wir finanzierten diesen. Doch mit dem Geldfluss alleine gaben wir uns natürlich nicht zufrieden. Es fand eine offizielle Trikotübergabe statt, wir haben Kontakt zum Trainer und die Spiele der Jungs werden von uns, soweit es möglich ist, besucht. Ich bin sogar schon zweimal extra für ein Spiel der U15 von Bremerhaven nach Düsseldorf an einem Tag hin und wieder zurück gefahren. Die Reaktionen waren durchweg positiv und ich bin auch schon von vielen Leuten auf die Aktion angesprochen worden. Nachdem, was wir von Fortuna Düsseldorf gehört haben, werden die Trikots in der kommenden Saison von der U16 (bisherige U15) weiter getragen. Mit dem neuen Trainer haben wir bereits Kontakt aufgenommen und weitere Unterstützung zugesagt. Da tut sich in absehbarer Zeit sicherlich noch etwas!

Gibt es ähnliche Bestrebungen bei der "SpreeElite"?

Kohlert: Ich denke nicht. Wir alle finden die Aktion der "NORD-CONNECTION" sehr geil und einzigartig. Bei uns gibt es die heiß begehrten "SpreeElite"-T-Shirts. Es ist wirklich unglaublich, von wie vielen Fortunen wir schon angesprochen wurden, die gerne so ein T-Shirt hätten. Aber die sind natürlich limitiert. Dennoch: Man wird in Düsseldorf offenbar wahrgenommen, als Exil-Fanclub.

Was ändert sich für euch durch den Aufstieg der Fortuna in die 2. Liga?

Kohlert: Vor allem: Nie wieder tickern! Irgendwann werden wir es sicher nicht mehr glauben können, dass es Zeiten gab, in denen wir vorm Internet - oder früher vorm Videotext verbracht haben um zu lesen, was sich im Stadion abspielt, und verrückt zu werden, weil zwischen jeder Aktualisierung Minuten vergehen. Jetzt können wir jedes Spiel live im TV verfolgen. Die Spiele gemeinsam in einer Kneipe zu sehen wird schon sehr anders sein undich hoffe, dass wir dadurch nicht träge werden und trotzdem auch weiterhin fleißig Auswärts fahren.

Symann: Zunächst einmal kann ich mit meinem Chef zukünftig über dieselbe Liga reden, wenn wir von unseren Lieblingsvereinen sprechen. In wieweit er das allerdings schön findet, steht auf einem anderen Blatt, schließlich ist er Fan von Arminia Bielefeld, die letzte Saison noch in der 1. Bundesliga vertreten war. Tja, so schnell kann das gehen… Neu und sicherlich auch recht gewöhnungsbedürftig dürfte die Zerstückelung des jeweiligen Spieltages sein. Freitags um 18:00 Uhr ist für „auswärtige“ Fans ohne Urlaub zu nehmen fast nicht zu schaffen. Anstoßzeiten am Samstag und am Sonntag um 13:00 Uhr kommen mir eigentlich entgegen, so hat man nach dem Spiel noch etwas Zeit oder ist früher zu Hause als sonst. Der Montagabendtermin ist ja wohl grässlich. Hoffentlich muss Fortuna da nicht so oft ran. Andererseits wird es zukünftig nicht mehr erforderlich sein, die Spiele, die man nicht im Stadion erleben kann, im Live-Ticker zu verfolgen. Schließlich werden alle Spiele der 2. Liga live im Fernsehen gebracht. Ändern wird sich auch grundsätzlich das Zuschaueraufkommen – sowohl bei Heimspielen als auch bei Auswärtsspielen. Es wird sicherlich schwieriger werden, an Karten heranzukommen, wenn man sich nicht mit einer Dauerkarte eindeckt. Meine Bestellung ist aber schon raus!

Werdet ihr irgendwann einmal nach Düsseldorf zurückziehen?

Symann: Man soll nie nie sagen, aber zurzeit gefällt es uns recht gut hier im Norden.

Kohlert: Ich kann sagen: Definitiv nein. Düsseldorf ist für mich zu provinziell. Ich liebe Berlin. Das die die Stadt, die zu meinem Leben passt. Allerdings: Begraben werden möchte ich dann doch in rheinischer Erde.

Das Gespräch führte im Sommer 2009 Michael Bolten, Hamburg.

Ursula Kohlert wurde 1974 in Düsseldorf geboren. 1994 zog sie zum Studium nach Leipzig und lebt heute als Theater- und Drehbuchautorin in Berlin. Fortuna ist für sie ein Lebensgefühl: Heimat, Identität und Konstante. Sie ist Gründungsmitglied des Berliner F95-Fanclubs „SpreeElite“ und schreibt unter www.spreeelite.de über das Leben als Exil-Fortune.

Christoph Symann erblickte 1961 im Dominikus-Krankenhaus in Düsseldorf-Heerdt das Licht der Stadt Düsseldorf. Nach erfolgreichem Studium zog er 1988 nach Bremerhaven, wo er bis heute als Bauingenieur tätig ist. Er ist Gründungsmitglied der "NORD-CONNECTION" und Webmaster der Homepage (http://web115.nsi24.miniserver.de/cms/front_content.php), die von ihm auf dem aktuellen Stand gehalten wird.

Donnerstag, 12. November 2009

Freunde der Sonne,

hier im Blog ist ja echt gar nix mehr los. Wahrscheinlich hat sich Robert Enke deshalb umgebracht. Man weiß es nicht. Jedenfalls echt nix langweiliger, als jetzt schon den Klassenerhalt unserer Fortuna quasi in dä Täsch zu haben. Ich will wieder absteigen, ich will meine Freunde zurück...

Sonntag, 18. Oktober 2009

Abzw. FORTUNA / Generationsstammtisch

Aloha Tagebuch,
In D-Town wird gebaut und die ganze Stadt sieht schon seit Monaten scheiße aus. Jetzt hats auch die Bahn getroffen: Man fährt von Berlin nicht mehr von Norden rein, also über Derendorf, Werhahn, etc. sondern über Flingern. Das dauert zwar 15 Minuten länger, aber man kommt direkt vorbei an der ABZW. FORTUNA. *Warm Welcome* würde ich das mal nenne. So fing es an, so ging es weiter: Denn sicher hast du, liebes Tagebuch, schon mitbekommen, dass es gar nicht mehr so leicht ist, für die Süd Karten zubekommen. Ist ja an sich ganz schön, dass es so nach dem Aufstieg doch mal wieder nen bisschen voller wird bei uns, aber als Exil-Fan ist das natürlich nicht so einfach: Wer will denn schon in den Oberrang? Gegen Aachen haben mich noch Josch und Sas in den 37er geschmuggelt, aber mindestens einmal in der Saison muss man ja doch auch auch in die Kurve. War ich. Dank UD unkompliziert und kurzfristig. Very nice. *42er, wo kann Stimmung besser sein?* -Trotzdem, nach dem ein oder anderen Siegerbierchen haben wir beschlossen: ab nächstem Heimspiel sitze ich mit Bolten und Felix im Family-Block. Klingt komisch, ist aber so. Blut ist halt dicker als Wasser... Übrigens 4:1. Fragen dazu?

Sonntag, 4. Oktober 2009

AKTION: Sami retten!

Jajajajajajaja, das war gar nix gegen Greulich Fürtz. Und auch wenn die Pfeife unterirdisch war, Nobbi hat Recht: Bei einem Spiel in Überzahl muss man das Ergebnis mindestens halten. Nun was solls. Jedenfalls, habt ihr das Interview in der Sportschau mit unserem Sami Allagui gesehen? Ungefähr fünfzehnmal hat er gesagt, wie geil er Fortuna findet. Der würde doch am liebsten sofort für uns spielen, das war eindeutig. Gut ist er sowieso. Deshalb: Dafür müssen wir aufsteigen - auch wenn mir sonst kein Grund dafür einfällt. Denn nur dann können wir Sami bezahlen. Oder soll er etwa nächste Saison bei Gladbach spielen? Geht doch gar nicht. Aber vielleicht kommt er schon in der Winterpause zu Hertha? Die brauchen ja Stürmer (naja, und Torwarte). Dann könnte Sami zumindest mal beim SpreeElite-Stammtisch vorbeischauen... weil, der ist ja jetzt eh mehr zu so 'nem Privatvergnügen geworden. ;) Also ich bin völlig überzeugt: neben den ganzen Patenschaften und Versteigerungen Fürngutenzweck die gerade so in der Fortuna Fanszene umgehen, wäre diese Aktion doch mal ne richtig gute Sache.

Freitag, 2. Oktober 2009

Die Schmach von Hamburg vergessen machen

Wer erinnert sich noch an den Jahresbeginn als ein Häufchen FortunaFans in Hamburg strandete und unser geliebtes Team beim Hallenturnier ins Finale rockte?? Sicherlich die, die dagewesen sind! Und wenngleich das Turnier wohl noch in guter Erinnerung ist, in schlechter ist wohl die 1:7-Endspiel-Pleite, gegen, ich hab's gerade noch mal nachgelesen (soviel zur Erinnerung), "unfaire Führter".

Und da unsere Jungs laut Express bei Ex-Karate-Kid Schauenberg u.a. fleißig Bodychecks üben, dürfte unser Lumpi diesmal nicht so einfach von jedem gegnerischen Spieler abprallen, der ein paar Gramm mehr auf die Waage bringt und im Seitenaus landen. Eher die Greulichen, wenn sie unserem Bullen in die Quere kommen.

Kräftemäßig sind wir mittlerweile also klar im Vorteil und haben somit leichtes Spiel mit Playmobil!

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Richtigstellung!


Per email zum Thema *Scheiss Union* (s.u.):

>>Tach ihr "Spreeelitären", um es mal klar zu stellen:hättet ihr genauer hingeschaut, wäre euch aufgefallen, dass die karte vom 15.08.09 ist. also die aktuelle 2.liga-saison, sprich dass jahr 1 nach der hölle! zudem hätte euch auffallen sollen, dass es eine GÄSTEBLOCK-Karte ist! was kann man daraus folgern????? GENAU: 95OLÉ!!!!!!!!!!!
ALSO: bitte in euerm blog richtigstellen! kann ja auch nix dafür, dass meine kollegen so "lustig" sind und das schmerzhafte ergebnis draufkritzeln mussten!!!<<

Sonntag, 27. September 2009

schwarz-gelb ist doch scheisse.